Adam Green

14.08.08, Freiburg Jazzhaus

 

Vor einigen Jahren gab es hierzulande eine zeitlang ziemlichen Rummel um einen jungen Amerikaner namens Adam Green. Während dieser seiner sehr angesagten Phase spielte er bereits schon einmal im Jazzhaus und auf dem hiesigen Zelt-Musik-Festival. Beide Konzerte habe ich seinerzeit jedoch mit kühler Schulter sausen lassen, weil mir der Hype einfach zu groß und dabei für mein subjektives Empfinden in diesem Maße auch nicht gerechtfertigt erschienen war, obwohl ich das Album „Friends Of Mine“ recht gut gelungen fand.
Nun, ein paar Jahre und ein paar Alben später, hat sich der Hype gelegt. In einem Interview mit dem Künstler, welches in der regionalen Tageszeitung zu lesen war, konnte man außerdem erfahren, dass er nicht mehr so viele Drogen zu sich nehme wie früher, als er sich wohl an eine ganze Reihe von gegebenen Konzerten nicht mehr erinnern konnte. Also entschied ich mich spontan am Tag des Geschehens, dieses Ereignis mit meiner Anwesenheit zu beglücken.

Pünktlich wie immer in diesem Keller begann die Vorband names Stereo Inn aus Köln, die – wie sie es selbst nennen – rollenden Indie-Rock und halbverschrobenen Rasselbandencountryfolk spielten. Na ja, was auch immer der Leser solcher Worte sich darunter vorstellen möge, für mich klang es eher nach beatle-esk angehauchtem Gitarrenpop ohne größeren Belang, ganz nett zwar, allerdings reichten mir drei oder vier Stücke aus, bevor ich entschied, mich doch lieber wieder nach draußen ins Raucher-Ghetto zu begeben, um mit ein paar alten Bekannten, welche ich überraschend getroffen hatte, etwas zu quasseln und zu qualmen, bis der Hauptakt des Abends auf die Bühne kommen sollte.


Als es soweit war, betrat zunächst seine Band die geliebten Bretter und spielte ein paar Takte, um Mr. Green als Nachzügler schon mal einen Extra-Applaus von den etwa dreihundert Zahlenden zukommen zu lassen. Gekleidet in ein Langarm-Shirt mit schön viel Retro-Fransen an der Ärmeln, für den ersten Song außerdem mit einem Stahlhelm auf dem Lockenkopf geschmückt und mir nicht gänzlich nüchtern erscheinend, eröffnete der kleine Mann mit der großen Stimme und den Frauenherzen höher schlagen lassenden Kulleraugen sein insgesamt etwa achtzigminütiges Set. Er gab den klassischen Entertainer, war ständig in Bewegung und hatte sich schnell die Sympathien des Publikums geangelt, selbst unter Skeptikern wie mir.
Unterstützt von seiner sechsköpfigen Band – Schlagzeug, Bass, Keyboard, einem zwischen elektrischem und akustischem Sechssaiter pendelnden Gitarristen und zwei souligen Background-Sängerinnen – spielte er ein recht unberechenbares Programm, stilistisch aus so allem möglichen zusammen gesetzt, mal rockig, poppig, folkig, gelegentlich gar mit psychedelischen Klängen gespickt, immer zeitlos und durchweg schön angeschrägt. Die Songs kamen häufig in Medley-Manier daher, und da ich wie erwähnt lediglich in Besitz eines Albums bin, kann ich nur spekulieren, dass er aus seinem gesamten, für sein Alter bereits sehr reichhaltigen Repertoire schöpfte. Zwischen den musikalischen Darbietungen gab der junge Mann immer wieder kurze Ansprachen ans Publikum.


Die schönsten Momente dieses Konzerts waren für mich mal wieder diejenigen, als der Sänger sich eine akustische Gitarre umhängte, die Mitmusikanten pausieren ließ und alleine den einen oder anderen Song spielte, darunter „Bluebirds“ von oben genanntem Album, von welchem außerdem noch sehr schöne Versionen von „Jessica Simpson“ und „We´re Not Supposed To Be Lovers“ dargeboten wurden, letzteres auf Wunsch des Chefs mit gedimmten Saallicht und für mich zusammen mit den akustischen Liedern die Höhepunkte des Sets ausmachend.
Im vorletzten Lied das Zugabenblocks rief er noch einmal die komplette Vorband zu sich auf die nun fast schon übervolle Bühne, um gemeinsam eine erfrischend aufgepeppte Coverversion irgendeiner ziemlich ollen Kamelle von Song zum Besten zu geben, den jeder kennt, mir aber leider der Titel gänzlich unbekannt ist. Macht aber nix, denn Spaß hats trotzdem allen im Saal gemacht. Danach gabs noch ein Stück, bevor Herr Green sich unter großem, wohl verdientem Applaus verabschiedete.

So hatte ich einmal mehr ein ziemlich gutes Konzert im Jazzhaus gesehen wie gehört, mit zum wiederholten Male überdurchschnittlich gutem Sound, so dass mich fast schon das Gefühl zu befallen droht, mich vielleicht nach vielen Jahren doch noch mit dieser Lokalität anfreunden zu können.

 


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Heißer Scheiß

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