Christian Kjellvander

7.03.08 Freiburg, White Rabbit

 

 

„Und? Was schreibsch jetzt da drübber?“ So lautete die berechtigte Frage meiner liebenswürdigen Begleiterin und Fahrerin, als wir uns nach dem Konzert des schwedischen Songwriters mit der wunderbaren Stimme auf dem Heimweg befanden. „Hm“, meine nachdenkliche Antwort, „das hab ich mir auch grade überlegt.“


Es ist zugegeben wesentlich leichter, einen Konzertbericht zu schreiben, wenn man sehr begeistert den Ort des Geschehens verlässt. Dann beschreibt man halt so ein bisschen das Drumherum, um sich dann in Superlativen zu verlieren. Letzteres, so viel vorne weg, geht in diesem Falle nun leider nicht.
Doch zunächst zur Lokalität. Das White Rabbit befindet sich in einer stillgelegten Straßenunterführung unter einer für Freiburger Verhältnisse recht großen Straßenkreuzung. Der Club mag etwa 200 Menschen aufzunehmen in der Lage sein, an besagtem Abend schätzte ich die Anwesendenzahl auf 150. Alles in allem ein schöner Gewölbekeller, über die pflanzliche Ausstattung mag sich streiten lassen, sicher etwas ungeschickt verhält es sich mit der Tatsache, dass die „Bühne“ am tiefsten Punkt des Raumes angelegt ist, zumal sich der Weg zu den Toiletten direkt daneben befindet, was sich für die Bedürfnisbefriedigung der Blasenentleerung zwar etwas umständlich, aber verkraftbar zeigte.


Musikalisch begann der Abend mit dem Duo Boy Omega, zwei jungen Männern, wie der Hauptakteur des Abends ebenfalls aus Schweden stammend. Deren Set bestand aus überwiegend ruhigen Songs, mit stellenweise psychedelischen, von noisiger Gitarre unterlegten Parts, begleitet von Keyboard und elektronischen Beats. Insgesamt ganz nett, mir persönlich dann aber doch etwas langatmig erscheinend, insbesondere auch durch die zeitweise sehr langen Pausen zwischen den Songs bedingt. Nach circa 45 Minuten war Schluss, die Bühne war somit freigegeben für Herrn Kjellvander -- auf dem Plakat übrigens mit „the finest voice of Sweden“ schon mal mit erwartungsschwängernden Vorschusslorbeeren bedacht -- und seine beiden Mitstreiter.
Zur seiner Rechten hatte der Sänger eine mit zuckersüßer Stimme ausgestattete singende Keyboarderin und zur Linken einen weiteren Gitarristen um sich geschart, welcher gelegentlich außerdem für einen spärlichen Drum-Sound sorgte, sowie auch von Zeit zu Zeit ein kleines Keyboard bediente, während der Haupt-Songverantwortliche neben dem Gesang für das Spielen elektrischer bzw. akustischer Gitarre zuständig war.
Leider plätscherte das Dargebotene über die ganze Konzertdauer von nicht einmal 70 Minuten (incl. Zugaben) überwiegend unspektakulär vor sich hin. Die besten Momente waren dann zu finden, wenn im Duett gesungen wurde, ergänzten sich die beiden Stimmen doch ausgezeichnet. Auch die wenigen Passagen, in denen es einmal etwas lauter wurde, brachten von Zeit zu Zeit einen Schuss Dynamik in den Ablauf, doch waren diese Momente über die Gesamtstrecke gesehen für mein Empfinden schlicht zu selten zu hören.
Im Gesamten kamen die Lieder alle in leidlich ähnlichen Gewändern daher, so dass ich, fast etwas entsetzt, hier nun gar eine Mutmaßung über etwaige Mängel beim Songwriting in den Raum zu stellen genötigt bin. Ebenfalls nur selten blitzte das besondere stimmliche Geschick des nichtsdestotrotz so charmanten wie sympathischen Schweden so richtig auf. Schade. Da hatte ich mir doch mehr erhofft, und ich glaube auch, dass er mehr kann, als er an diesem Abend gezeigt hat, gibt es doch auf der einzigen LP, die ich von ihm besitze, unbestreitbar die eine oder andere Songperle zu hören. Des Weiteren den Hörgenuss erschwerend kam hinzu, dass die Anlage etwas altersschwach anmutete, gab sie doch immer wieder laut knackende Störgeräusche von sich, obwohl der Sound davon abgesehen prinzipiell nichts zu wünschen übrig ließ.


So verließen wir also an diesem Abend notgedrungen den Raum mit einer kleinen Enttäuschung im Erinnerungsgepäck, und ich kann mich dem Resümee meiner Begleitung nur anschließen, welches lautete: „Wenn ich nicht von den CDs her wüsste, dass der wirklich gut ist, sondern nur auf Grund der Ankündigung hierher gekommen wäre, hätte ich mich echt geärgert.“

 

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