Liquid Laughter Lounge Quartet

9.04.09 Freiburg, Atlantik

 

In einer Epoche immer rasanteren Fortschreitens der Technik und ihrer Raffinessen, wird der schäbige Begriff Tonträger zunehmend von der noch schäbigeren Bezeichnung Formate abgelöst, auf welchen man nun in der Lage ist, Musik zu hören. Sicher haben gerade diese winzigen und (vermutlich) äußerst bequem tragbaren mp3- und sonstwas-Player ganz bestimmt ihre Vorteile – man stelle sich nur mal einen Jogger mit seinem Plattenspieler auf dem Rücken vor. Dass myself nach annähernd einer Dekade der Enthaltsamkeit vor Jahren doch wieder zum guten alten Vinyl zurück finden konnte, lag nicht zuletzt an einer Veröffentlichung der Freiburger Bänd Liquid Laughter Lounge Quartet. Diese nämlich boten damals eine feine 10-Inch-Scheibe feil, auf der nicht nur ausgesprochen gute Musik zu hören ist, sondern die auch ein schickes Cover-Artwork und – jetzt kommt der Punkt – ausschließlich auf klarem, also durchsichtigem Vinyl erhältlich ist. Bzw. war. Die gibt’s nämlich nicht mehr. Wohl aber gibt es die Bänd noch, auch wenn es etwas ruhiger um sie geworden war und der letzte Longplayer bereits gut 5 Jahre alt ist.
Am Gründonnerstagabend beendete der Vierer die Durststrecke und beehrte das Atlantik mit einem Konzert anlässlich der Plattentaufe der neuerlich erschienenen Split-10-Inch, deren andere Hälfte übrigens Velvetone aus Bremen gehört. Diese waren leider nicht auf der Bühne zugegen, dafür gab´s zur Eröffnung des Abends andere Special Guests, deren Namen ich mir allerdings nicht merken konnte, außerdem war ich nebenbei bemerkt aus Gründen des Erwerbs der täglichen Brötchen recht spät dran. So war im Moment meines Eintreffens in der ziemlich vollen und somit bereits gut gewärmten Kneipe ein Duo am Werken, das jedoch schon bald Platz machen sollte für einen Solo-Künstler namens Pierre. Dieser trommelte und schrammelte sich auf der Gitarre zunächst seine Rhythmus-Parts ein, die er dann als Endlosschleife laufen ließ, während er dazu wiederum Gitarre spielte, sang oder sich ordentlich effektverfremdet durch schräge Geschichten erzählte. Akustisch konnte man also eine komplette Bänd hören, obgleich doch nur ein einziger Typ auf der Bühne stand, der damit eine gute halbe Stunde lang recht gut zu unterhalten wusste. Abschließend gab es noch ein Stück im Trio, bevor der Umbau für die Nachfolgenden in Arbeit gehen konnte.

Mit neuem Mann an der charakteristischen Twang-Gitarre betraten die Liquis zu vorgerückter Stunde die Bühne. Sänger Jens Teichmann sprach erstmal seine Freude darüber aus, endlich wieder auf den hiesigen Brettern stehen zu dürfen, zumal auch noch vor vollem Haus. Musikalisch begannen sie recht verhalten, woran sich im Laufe der ersten Stunde auch nicht allzu häufig etwas ändern sollte. Das Set bot eine gelungene Mischung aus neuen Songs und bereits bekanntem, wie unter anderem „Bad Way“, „Sheila“, „James“ und dem herrlich schrulligen „Uäh“. Das Herzstück bildete bezeichnenderweise der „Slow Club“. Schöööön lannnnnngsaaaaam… Und: „Bloß nicht gleich ausflippen“ ermahnte Herr Teichmann zwischendurch gerne die Anwesenden. Mal in pantomimisch anmutender Manier ansatzweise tanzend, mal fast versteinert mit schiefem Grinsen, sich immer wieder am Kontrabass zu seiner Rechten abstützend oder diesen per Hand oder Mikrokabel als percussives Instrument nutzend, führte der Sänger durch den Kosmos des Quartetts. Egbert Landes am Schlagzeug gab zurückgenommen den Takt vor, Markus Heinzel spielte mit gewohnt halb geschlossenen Augen seinen Bass und übernahm von Zeit zu Zeit die Bäckground-Stimme, während Oli Maier an der Gitarre fast stoisch in seinen Saitenklängen zu versinken schien. Und hätte nicht das permanente Gemurmel im Publikum wie eine Art Tinnitus weite Stecken der Darbietung untermalt, man hätte ganz tief versinken können in den morbid-schrägen Texten, dem klaren Sound, irgendwo zwischen loungigem Bar-Jazz, durchsetzt mit düsteren Country- und Folkanleihen, das Ganze getaucht in den sumpfigen Geschmack des zwar nicht allzeit präsenten, doch jederzeit gegenwärtigen Big Brother Rock´n´Roll. Im folgenden, gut dreißigminütigen Zugabenteil, sollte sich dies jedoch zum Positiven ändern.
Ob der späten Stunde leerte sich die Kneipe ein wenig, der Sound wurde ein Stückchen hochgefahren, die Bänd rockte nun etwas mehr. Als absolutes Highlight kam das nicht weniger als geniale Scorpions-Cover „The Zoo“ von der oben erwähnten „Was The Pleasure Worth It“ zum Zuge, bei welchem sich der teilweise geradewegs sägende Bass ausgezeichnet mit dem exaltierten Gesang zu ergänzen wusste. Sehr geil das, meine Damunherrn, sehr geil!!

Gerne hätte ich noch das eine oder andere Stück mehr gehört, doch ließen sich die Musiker nicht zu weiteren Zugaben erweichen. Und schließlich kann ich auch so behaupten, einen insgesamt ziemlich guten Auftritt der Totengräber des Rock´n´Roll miterlebt zu haben, bevor ich mich durch die laue, nächtliche Frühlingsluft zurück in meine heimische Grotte begab, wo das Gehörte noch nachwirken konnte, bis ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf hinab sank…

 

 

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