Monster Magnet

7.12.08 Stuttgart, Longhorn

 

Alte Liebe rostet nicht. So sagt man doch, nicht wahr, geschätzte Leserschaft? Dennoch, was ist besser, als alten Volkesweisheiten blind zu vertrauen? Natürlich. Nämlich sich persönlich von deren gemutmaßten Gültigkeiten zu überzeugen!! Ist ja wohl klar wie die blitzsaubere Luft an einem herrlich winterklaren Dezembertag!! Man ist ja nicht dämlich!!
Also machten wir uns eines doch eher vernieselten, nasskalten Sonntagabends (Disgusting!!) auf den Weg nach Stuttgart, nebenbei bemerkt noch leicht lädiert von den Schändungen des Vorabends, die wir durch den dieser Tage allgegenwärtigen Mann mit weißem Wuschelbart und roter Mütze erfahren mussten.
Recht pünktlich trafen wir am Zielort ein, wo bereits die Pilgrim Fathers ihre etwas verschwurbelten Töne durch die noch fast leere Halle schickten. Nachdem dies glücklicherweise ohne weitere Schäden überstanden war, enterten Nebula aus L.A. die Bühne, uns mit ihrem stark Stoner-Rock beeinflussten Rock´n´Roll auf das lang und mit Spannung erwartete Wiedersehen entsprechend vorzubereiten. Und als um 21:30 Uhr die Zeit gekommen war, uns die ersten Akkorde von „Dopes To Infinity“ mit wuchtigem Sound in Ohr und Herz gerammt wurden, da stand die alte Liebe nicht nur leibhaftig vor uns, nein, sie zerrte uns ohne Umschweife auch gleich noch an den Klamotten rum.

Wie ein Prediger stand er nur wenige Meter entfernt, die überwiegend als Bauchversteck denn zur Lärmerzeugung genutzte Gitarre lässig um den um den Hals hängend, in neutralem Shirt, drüber einen sackartigen, weit geöffneten Kapuzenpulli, der seine während der letzten Jahre gewonnenen Kurven eher betonte als verdeckte: Dave Wyndorf, ein Überlebender des Rock´n´Roll, im Laufe seiner gut fünfzig Jahre das eine oder andere Mal dem Tod mehr oder weniger knapp entkommen, meldete sich mit seinen Monster Magneten zurück.
Zu seiner Linken der ruhende Pol an der Gitarre, Ed Mundell, rechts des Frontmanns das Duo Bassist und zweiter Gitarrist, im Rücken natürlich der Drummer, bekamen wir eine wahrhaftige Come-Back-Best-Of-Show um die Ohren gehauen, mit Songs von sämtlichen Alben außer dem aktuellen, meiner Meinung nach sowieso den kreativen Nullpunkt markierenden „4 Way Diablo“. Die Bänd sprühte vor Spielfreude, der Chef zeigte sich gut bei Stimme – hier war sein neues Volumen absolut von Vorteil –, hatte das Volk von Beginn an im Griff. Überhaupt agierte Herr Wyndorf sehr publikumsnah, nahm häufig Kontakt mit den vorderen Reihen auf, fragte immer wieder, ob sich alle „all right?’“ fühlen. Während instrumentaler Phasen zog er sich meist zurück, stand mit dem Gesicht dem Schlagzeuger zugewandt, derweil er entweder die dritte Gitarre bemühte oder einfach nur ein paar von den charakteristischen Space-Klängen der älteren Platten in die Räumlichkeiten entsandte, während die beiden Gitarristen sich mit ihren Soli zu duellieren schienen.


So sang sich die wohl dreckigste Stimme der Rock-Musik seit Bon Scott durch ein einstündiges Set aus fetten Soundwänden, abgeschlossen mit dem wohl größten Hit der Bänd, „Space Lord“, bei dem der Sänger es sich nicht nehmen ließ, das Publikum aufzufordern, lautstark „Motherfucker“ mitzubrüllen. Meine persönlichen Highlights stellten allerdings die beiden ruhigeren Stücke „Zodiac Lung“ und „Cage Around The Sun“ dar – wobei letzteres ja nicht so wirklich richtig ruhig ist…
Nach kurzer Verschnaufpause gabs noch mal eine halbe Stunde Zugaben, u. a. mit dem Uralt-Kracher „Tractor“, zum Abschluss dann – wie eigentlich immer – eine diesmal dreizehnminütige Version des Klassikers „Spine Of God“, leider im Mittelteil zum wiederholten Male etwas verunstaltet durch das kurz eingefügte American-Pie-Intermezzo, später in einer leider vom Roadie zu früh abgebrochenen Feedbackorgie endend. Ansonsten meint sich mein von einer wahren Gitarren-Überdosis durchgeblasenes Gedächtnis an folgende Songs erinnern zu können: Negasonic Teenage Warhead, Crop Circle, Powertrip, Radiation Day, The Right Stuff, Third Alternative, Melt und Twin Earth.

So sah ich zusammen mit weiteren etwa 1200 Anwesenden im gut gefüllten, aber nicht gänzlich ausverkauften Longhorn zwar kein überragendes, dennoch aber ein sehr gutes Konzert, welches die zumindest bei mir eher niedrigen Erwartungen lässig übertreffen konnte und zudem die außerordentlich wichtige Erkenntnis lieferte: Monster Magnet sind still alive!! Oder um den ausgesprochen hübschen Eingangs-Aphorismus zum Ausgang noch einmal zu bemühen: In die Knie gezwungen hat sie einen nicht, die alte Liebe, aber hin und wieder hats im Laufe des Abends dann doch ganz schön gekribbelt…


 

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