Vicki Vomit

14.11.08 Karlsruhe, Nanu

 

Obwohl dieser Termin schon seit längerer Zeit im obligatorischen Konzertkalender vermerkt war, musste auf Grund freitagabendlicher Trägheit und daraus resultierender Entschlussunfreudigkeit schließlich eine Münze über den Besuch dieser Veranstaltung entscheiden. Die Münze schrie „Ja, ich will!!“, wir fügten uns willig, und sollten unsere Entscheidung nicht bereuen.


Die sich im Karlsruher Randstadtteil Knielingen befindliche Lokalität mit dem geistreichen Namen „Nanu“ machte bei Betreten einen etwas merkwürdigen Eindruck, ich würde sie als Bistro-Kneipen-Darts-Bar-Mix mit unübersehbarem Vereinsheimcharakter bezeichnen. Nun denn, wir löhnten den Eintrittsobolus und wandelten zielstrebig an die Theke, ein leckeres Hopfen- und Malzgetränk zu ordern. Während wir also standen und warteten, war Herr Vomit damit beschäftigt, einige der Anwesenden dazu zu bewegen, die hinteren Plätze an den Bistrotischen zu verlassen und sich etwas weiter nach vorn zu begeben, zögerte auch nicht, sogleich uns beide Kulturinputhungrige zu fragen, ob wir wohl wegen der Veranstaltung hier seien. Wir bejahten, sahen uns allerdings genötigt, den Kulturoutputverantwortlichen darüber zu informieren, dass wir zunächst gerne ein Getränk in der Hand halten würden. Sogleich trug Vicki, in höchstem Maße um das Wohl seiner zahlenden Gäste bemüht, unser Anliegen persönlich beim Veranstalter vor, und so konnten wir umgehend unsere Bestellung loswerden und auf den vordersten Rängen an einem der beiden schweren Massivholztische Platz nehmen. „Danke, Vicki!!“ honorierte mein entspannter Begleiter diese kleine, aber nicht unwesentliche Aufmerksamkeit so lapidar wie herzlich. Nur wenig später begann die Veranstaltung vor etwa fünfundzwanzig Leuten, übrigens ein ebenso schräger Haufen wie das Lokal dies ohnehin vermuten ließe. Zunächst gab es eine Einweisung ins Programm, nämlich dass der Abend in zwei Teile geteilt werden sollte. Der erste Teil sollte dabei eine rein kabarettistische Darbietung sein, der zweite dann eher musiklastig.


So plauderte der aus Erfurt stammende Künstler munter und immer schön unter Einbeziehen der anwesenden Zuhörerschaft aus seinen Nähkästchen, schwadronierte gute siebzig Minuten lang durch verschiedenste Themen, als da wären Ossis respektive das Aufwachsen als besonders hässliches Kind im Osten, streute hie und da etwas Politik und Fußball ein, um sogleich wieder seine Lieblingsthemen Männer, Frauen, Beziehungen aufzugreifen. Auch Dossiers über Pickel, Pusteln und Geschlechtskrankheiten durften nicht fehlen. Dabei surfte er ohne Gnade durch verschiedene Niveau-Levels, lotete die Geschmackssicherheit des Publikums gerne mal mit eher geschmacklosen Begebenheiten aus, zeigte sich mal tiefsinnig oder einfach träshig, mal Anspruch an die grauen Zellen walten lassend, um dann wieder geradewegs in die Tiefen unterhalb der Gürtellinie abzutauchen. So konnte es natürlich hin und wieder geschehen, dass die eine oder andere Pointe nicht unbedingt umgehend auf Verständnis stieß und somit von Zeit zu Zeit auch für eine gewisse Ratlosigkeit im Publikum sorgte. Vieles wirkte recht spontan erzählt, so, als gäbe es zwar im Hinterkopf ein Konzept, die Ausführung desselben schien jedoch eher auf Improvisationskunst zurück zu greifen. Danach gab es etwa ein viertel Stündchen Pause für alle, bevor der musikalische Teil folgte, wobei zwischen den einzelnen Stücken natürlich auch immer wieder Anekdoten ihren Platz fanden, manche in direktem Bezug zum dargebotenen Song, andere wieder einfach lose eingefügt.

An folgende Lieder kann ich mich spontan erinnern: Kleine Meerjungfrau (als Opener), Die Titten von Mutter Theresa, Ficken für Deutschland, Mandy, Ich-AG, Angelika und als allerletzte Zugabe Analintruder.

Gegen Ende rockte er auch mal so richtig ab mit dem Ansatz eines Medleys, welches von einem eigenen Stück zu Highway to Hell mutierte, um schließlich ins unsägliche Smoke on the Water abzudriften, der Chef der Kneipe hatte sichtliche Freude daran.
Nach erneut über sechzig Minuten Darbietung und von den verbliebenen etwa fünfzehn Interessierten ordentlich beklatscht – einige hatten die Pause genutzt, sich klammheimlich vom Ort des Geschehens zu entfernen – machte der Alleinunterhalter Feierabend.
Artig verabschiedeten wir uns von Herrn Vomit und steuerten zielstrebig die nahe gelegene Straßenbahnhaltestelle an, in der Gewissheit, einen in mehrfacher Hinsicht unterhaltsamen, amüsanten Abend erlebt zu haben. Danke, Münze!!

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