Against Me!   White Crosses      (VÖ: 8.06.10 Sire Records/Warner)

 

Ein klein bisschen weh tat´s schon, als ich kürzlich in Berlin vor dem Festsaal Kreuzberg stand und auf dem Plakat "Sold Out" lesen musste. Obwohl ich es ja so erwartet hatte. Entsprechend gespannt war ich dennoch auf ihr knapp zwei Wochen später erscheinendes, mittlerweile fünftes Album White Crosses.

Als die Scheibe sich dann erstmals auf meinem Plattenteller dreht, macht sich zunächst ein wenig Verwirrung, ja beinahe Unmut breit: o mein Gott - dies glattgebügelte Ding da sollen Against Me! sein? Was habt ihr getan...!?

Doch Geduld ist nicht selten ein gute Tugend, so kristallisiert sich bereits ab dem zweiten Hören von Stück zu Stück heraus, dass hier 10 Songs in hervorragender Produktion versammelt sind, fast jeder ein Ohrwurm, so mancher ein potentieller Hit. Allen voran die Single "I Was A Teenage Anarchist" und das Titelstück. Eine Melodie reiht sich an die nächste, mit vielen ihrer charakteristischen Chöre herausgeputzt, immer wieder getragen von frohmütigen Gitarrenlinien, sogar Keyboardstriche sind ins nunmehr sozusagen recht indie-poppige Gesamtbild reingepinselt. Textlich bleibt´s derweil gewohnt sozialkritisch wie auch persönliche Belange äußernd. Mehr und mehr haken sich die Songs dann auch mit weiteren Durchläufen in den Trommelfellen fest.

Und doch, hätte ich diese Bänd mit dieser Platte kennengelernt, ich hätte sie wohl bald unter "ist ja ganz nett, aber von der Sorte gibts einfach schon genug" abgetan. Recht ähnlich sind viele der Songs gestrickt, es schimmern für mich einfach zu wenige Momente der Abwechslung oder gar Überraschung durch - von ein paar Gimmicks wie ein Lied per Piano einzuklimpern oder dem ein oder anderen gehauchten "tchk-aahh" mal abgesehen... Damit bleibt im Verlauf des Albums leider auch die Gefahr aufkommender Langeweile nicht verborgen. So befürchtet man bereits ab "Suffocation", dem vierten Stück, dass da einfach nicht mehr viel passiert. Zurecht, muss ich bemerken. Und spätestens Mitte der B-Seite, bei der - Verzeihung - Schunkelballade "Ache With Me".... ach...sei´s drum.

Wie singt Herr Gabel in "Rapid Decompression", dem vorletzten Lied - übrigens dem einzigen mit so richtig Fäuste-in-die-Luft-Attitüde: "How much is too much?". Nun, lassen wir das mal so stehen, unter dieser gute-Laune-Sommer-Platte einer Bänd, die seit Jahren unbeirrt ihren Weg geht und deren ganz großes Plus in der charakteristischen Stimme des Sängers liegt, der - trotz meiner inneren Gespaltenheit ob dieses Werkes - wiederholt ein gutes Gespür für richtig geile Songs beweist.

Wo auch immer euer Weg euch hinführt: schön, dass es euch gibt!!

15.06.10

(mehr Worte über Against Me! gibts übrigens HIER)

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