Fabia Mantwill Quartett   20.08.21 Mensagarten, Freiburg

 

Hätte ich vor dem Ticketkauf die Musik angehört, wäre ich vielleicht gar nicht zur Veranstaltung gegangen. Da ich aber aufgrund der Beschreibung des Veranstalters und der instrumentalen Besetzung der Bänd neugierig war, erlebte ich eine echte Bereicherung meines musikalischen Kosmos und eine kleine Horizonterweiterung...

Ein völlig anderes Publikum als am Vortag machte es sich auf den fast vollständig belegten Plätzen im Mensagarten bequem. Nach ausführlicher Ankündigung des Veranstalters betrat Fabia Mantwill mit ihren Mitstreitern an Schlagzeug, Gitarre und Kontrabass die Bühne. Das Quartett positionierte sich, Frau Mantwill sagte Hallo, verlor einige Worte über das erste Stück, und es ging los. So gestaltete sich denn der Verlauf der folgenden gut achtzig Minuten exquisiter Live-Musik: Vor jedem Stück eine Kurzfassung über Entstehung und Hintergrund, dann der Song. Und das war gut so, denn so konnte bereits beim ersten Stück die Erzählung des Saxophons, welches die Bändchefin, Komponistin und Arrangeurin überwiegend spielte, besser verstanden werden.

Zu Beginn fremdelte ich noch ein wenig mit dem Sound: Die Gitarre klang recht smooth und clean, rhythmisch funky-jäzzy und schwebend; der Kontrabass dazu hatte eine leicht wippende Rhythmik. Im Vordergund stand das Sax mit der durch den Song führenden Erzählung und im Hintergrund des Gesamtsounds tönte ein perkussiv klingendes, sehr beckenlastiges, dabei recht zurückgenommenes Schlagzeug. So war es zunächst mehr der dramaturgische Aufbau der Stücke, der mir gut gefiel. Bald war mein Fokus beim komplett entrückt und ins Instrument versunken wirkenden Schlagzeuger, der kein klassischer Taktgeber war, sondern fast durchweg eine melodische Rhythmik in verschiedentlichen Variationen pflegte und nicht zu Unrecht mehrere Solo-Parts im Set hatte.

Mehr und mehr entwickelte sich bald ein tolles Konzert, bei dem ich zwei der aus unterschiedlichsten Orten wie Tansania, Berlin oder Nepal inspirierten Stücke besonders eindrücklich fand: Zum einen das zentral im Set stehende, tansanische Lebensfreude beschreibendes, recht gesangsorientierte Stück – gesungen in Suaheli –, bei welchem die Frontfrau zunächst verschiedene Gesangsparts einsang, aufnahm, abspielte und zunehmend ergänzte, bis ein Chor erklang. Im Wechsel mit Gesang, choralem Bäckground vom soeben eingespielten Band, hin zum gesamten Bändsound und wieder zurück, war dies ebenso faszinierend zu hören wie zu beobachten. Großartig!! Nicht minder begeistert hat mich ein Stück namens "Glatteis", was tatsächlich einen Hörspielcharakter hatte und die Instrumente fantastisch eine winterliche, klirrend kalte Stimmung interpretierten, mitsamt ausrutschenden und hinfallenden Menschen auf glattem Grund. Sehr geil!!

Mit der Zeit wurde denn auch die Gitarre präsenter, erhielt ein wenig mehr Verzerrung im Sound, wenn auch für meine Hörgewohnheiten noch immer recht dezent gehalten. Und ja, zwischendurch wünschte ich mir schon mal kurz einen fetten, schweren Sound der sechs Saiten, ein heulendes Feedbäck – whatever –, aber das war hier nun mal nicht State of the Art. Überwiegend wurde die Gitarre gezupft, fast streichelnd oft, ein Pic kam nur selten zum Einsatz, doch hatte auch der Gitarrist einige filigrane Soloparts im Repertoire. Der Mann am Kontrabass wiederum war der unauffälligste der durchweg exzellent musizierenden Leute auf der Bühne. Dessen Spiel stand, mit dem des Saxophons und der einmal eingesetzten Querflöte, konventionellem Jäzz am nächsten; wobei der Basser fast allein für den grundlegenden Rhythmusteppich zuständig war und die eigentlich taktgebende Aufgabe des Drummers mit zu übernehmen hatte.

Die sympathische junge Dame aus Berlin und die Herren aus Lyon, Paris und London spielten zudem erstmals in dieser Besetzung, kamen dafür aber überraschend schnell in Fahrt und wirkten, als spielten sie schon wirklich lange zusammen. Die Stücke hat die Künstlerin für ein mehr als zwanzigköpfiges Orchester komponiert und arrangierte sie für diesen Abend auf die Quartettbesetzung um, was – ohne dass ich die orchestrale Version kenne – famos gelungen ist!!

Für mich und meine bisherigen Jäzz-Berührungen im eher skurrilen Freejäzzbereich oder vermischt mit proggigem Rocksound, erlebte ich diese Musik nun erstmals im konventionell eingebetteten Grundton – zumindest was ich darunter verstehe. Im Kern des Schaffens und der Darbietung des Fabia Mantwill Quartett stand ohnehin deutlich hörbar die unbändige, aus purer Neugier gespeiste Kreativität der Komponistin und deren fabelhafte Begabung für Arrangements, was ihrerseits Konventionen zu verwerfen vermag. Somit war dies ein nicht weniger als ein eindrucksvolles, großartiges, ja, faszinierendes Konzert!!

21.08.21

wer sich traut, guckt und hört hier mal rein

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