Fire!   The Hands   (VÖ: 2.02.18 / Rune Grammofon)

 

Gar nicht so einfach in Worte zu fassen, bemerke ich grad mitten im Erzähldrang, was der norwegische Saxofonist Mats Gustafsson mit seiner Rhythmussektion Johan Berthling am Bass und Andreas Werliin an Drums und Percussion alias Fire! auf The Hands ertönen lassen. Auf die klassische Dreier-Konstellation einer Rockbänd reduziert haben sich die Skandinavier diesmal, wobei hier allerdings weder Gesang noch Gitarre zu hören sind. Deren Anteile übernimmt Gustafsson - wahlweise mit Tenor-, Bariton- oder Bass-Saxofon auf diesem Album, das durchaus als Bindeglied zwischen Jazz-Impro und Riff-geleitetem Rock bezeichnet werden kann.

Der Titelsong eröffnet als ungewaschener Midtempo-Rocker das Album, ehe das Tempo beim folgenden "when her lips collapsed" zurückgenommen wird und dann mit "touches me with the tips of wonder" bereits die Stimmung von sehr langsam, düsterem Ambient-Jazz erreicht wird. Um dann die A-Seite mit fast schon fröhlich tänzelnden Dance-Rhythmen zu beschließen. Über alldem thront förmlich das Sax. Es fabuliert und lamentiert, es krächzt und gniedelt sich die Welt, wie es ihm gefällt; ist stets untermalt von gerne auch mal angezerrten Bassriffs und geleitet von so straight wie lässig taktenden Drums.

Die B-Seite startet mit dem schlicht "up. and down" betitelten Stück, welches einen dezent auf den Höhepunkt des Werks hinzuführen vermag. Diesen erreicht das Album zweifelsohne mit dem zweiten und mittleren Stück der B-Seite, dem neunminütigen "to shave the leaves, in red, in black." Hier wird man beim Hören regelrecht auf eine Reise gepustet, festgezurrt vom in stoischer Ruhe, ja in geradezu majestätisch erhabender Behäbigkeit vorwärts schreitenden Rhythmus, gefesselt von Bläserklängen, die sich zeitweise beinahe zu überschlagen drohen, um dann wieder aus der Ferne um Gnade zu winseln scheinen. Wie gut, dass das abschließende "i guard her to rest, declaring silence" einen dann wieder mit versöhnlichen Klängen sanft vom akustischen Trip befreit.

Das ist eines der Alben, die eigentlich keine Pausen zwischen den Stücken benötigen; wo auch nie wirklich erkennbar wird, ob es sich um komponierte und durchdachte Songs handelt oder ob diese Stücke ganz einfach aus einer Reihe von Jäm-Sessions zusammengestellt sind.
Was letztlich aber auch wieder völlig egal ist, wenn dabei ein solch gleichermaßen großartiges wie ungewöhnliches Album entsteht...

 

2.04.18

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