Riverside                                    31.10.2018 Schorndorf, Manufaktur

 

Yo, im Nachhinein immer wieder schön, ein Konzerterlebnis mit Anreiseerinnerungen verbinden zu können. Ich hätte in dem Moment allerdings gut drauf verzichten können (also auf das Anreiseerlebnis), aber mein sehr geduldiger Fahrer nebst ebenso geduldiger Frau trugen dann doch erheblich und dankenswerterweise sehr zu meiner gleichbleibenden Gelassenheit bei.
Mein Begleiter hat nämlich seit kurzem ein neues Auto und das Navigationssystem dieses Gefährts ist offensichtlich noch nicht so ganz kompatibel mit seinem aktuellen Besitzer. Der Fahrer ignoriert irgendwann die Anweisungen, das Navi ist beleidigt, schaltet die Streckeneingabe um und wir stecken im Stadt-Stau kurz vor Stuttgart-Degerloch!
Egal, irgendwann einigten sich Navi und Autoinhaber und man erreichte schließlich doch die Manufaktur – kurz nach Konzertbeginn der anvisierten Hauptband des Abends.
An der Verspätung war natürlich ich schuld, wegen eines Zwischenstopps zwecks Tabak-Beschaffung....


Aber zur Sache: Auf mein erstes Konzert von Riverside aus unserem östlichen Nachbarland Polen schleppte mich vor einigen Jahren ein von mir sehr verehrter Berliner Prog-Rock-Liebhaber (und ebenso verehrter Gitarrenspieler!). Seitdem verfolge ich das spannende musikalische Schaffen dieser Band und ihres Masterminds Mariusz Duda mit großer Begeisterung. Hingewiesen sei hier auch auf dessen vorzügliches Side-Projekt Lunatic Soul.
Das schwäbische Kleinstädtchen Schorndorf ist mir schon seit längerem als eine gute Adresse für Live-Darbietungen interessanter Bands bekannt, also klang die Kombination schon mal verlockend.


Die Manufaktur war dann auch erwartungsgemäß sehr gut gefüllt und obwohl wir den Konzertbeginn aus oben genannten Gründen verpassten, konnten mich Riverside sofort mitreißen. Der eindeutige Schwerpunkt lag natürlich auf dem vor kurzem erschienen neuen Album 'Wasteland', von dem - abzüglich des Intros "The Day After" - ausnahmslos alle Songs zu Gehör gebracht wurden. Interessanterweise kam aber auch das Debüt 'Out of Myself' von 2004 zu einer umfangreichen Würdigung. Das vielschichtige Progrock-Monster "Reality Dream" war da ein erstes großes Highlight. Ansonsten wurde fast jede Veröffentlichung salomonisch mit je einem Stück bedacht, wobei die Länge des genialen "Second Life Syndrom" leider auf knapp 10 Minuten reduziert wurde – warum auch immer.


Nach dem Tod des Gitarristen und Gründungsmitgliedes Piotr Grudzinski vor 2 Jahren hat sich die Band entschieden, zunächst in Triobesetzung weiter zu musizieren. Multiinstrumentalist Duda spielte alle Gitarrenparts der neuen Scheibe selbst ein, auf Tour übernimmt dies Macije Meller, der seine Sache zwar ganz ordentlich machte, auf der Bühne allerdings schon stellenweise mehr
wie ein Gastmusiker neben einer langjährig eingespielten Truppe wirkte.
Sichtlich Spaß hatte dabei vor allem der dauergrinsend hinter seiner Keyboardburg herumhüpfende Michal Lapaj, der immer wieder durch interessante Sounds samt Theremin (das einzige Instrument, das ohne Berührung gespielt wird – schaut mal nach!) aufhorchen ließ. Und natürlich Duda selbst: Ein absolut faszinierender Bassspieler mit unglaublich facettenreicher Stimme und einem Händchen für gleichzeitig äußerst komplexe und doch sehr eingängige Songstrukturen. Und ein sympathisches Kerlchen, der gerne in die Publikums-Kommunikation geht, ist er offensichtlich auch. Die Setlist pendelte insgesamt sehr ausgewogen zwischen ruhigen, getragenen Stücken wie dem großartigen "Lament", das bei mir auf Tonträger bisher nicht wirklich zünden konnte, und lauten Soundgewittern à la "Out of Myself".


Kurz vor Ende des Zugaben-Blockes machte sich dann etwas Enttäuschung bei mir breit: Einer meiner Songs des Jahres wird ausgespart? Mitnichten! Mit einer sehr emotionalen Ansage zum Neubeginn der Band nach dem tragischen Verlust von Grudzinski beendeten Riverside ein wieder einmal wirklich tolles Konzert mit dem wunderschönen "River Down Below". Alles wieder gut also!
Einen Umweg über Ulm hat uns das liebe Navigationsgerät auf dem Nachhause-Weg dann übrigens auch erspart.

Martin, 6.11.18

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