GREG MACPHERSON   Disintegration Blues       (VÖ: 4.02.11 Play/Rec)

 

Wenn man einen Künstler live erlebt hat, kann das Hören derselben Musik auf physischen Tonträgern mitunter sehr ernüchternd sein. Und zwar ganz besonders dann, wenn solierende oder als Duo auftretende Musiker plötzlich auf Platte mit aufwändiger Bänd-Unterstützung zu beeindrucken versuchen. Nicht nur Authentiziät geht verloren (ob man diese in der Popkultur-Welt schätzt oder nicht, sei schön im leeren Raum belassen), schlimmer noch ist, dass man die in solchen Fällen häufig sehr überfrachtet wirkenden Stücke kaum mehr wiedererkennen kann.

Nicht so bei Greg Macpherson's Disintegration Blues. Nach Genuss dessen Darbietung im Januar im Swamp wollte ich auf seine Musik denn auch im heimischen Wohnzimmer nicht länger verzichten. Und ich darf es vorweg nehmen: selten ist einem vergönnt, solch unspektakulöses Spektakel an die Trommelfelle zu bekommen!! Auf's erste Hören recht konventionell erscheinend, kriechen einem die Stücke kaum merklich in die Gehörgänge, um sich dort klammheimlich festzusetzen. Erst später, wenn die letzte Umdrehung der Rillen bereits jüngste Geschichte ist, man schon wieder mit irgend etwas anderm beschäftigt ist und es am wenigsten erwartet, hat man urplötzlich eine seiner anfänglich so unaufgeregt klingenden Melodien im Ohr. Aber wie!! Seine "Ukrainians", zum Beispiel, die kriegte ich gar tagelang nicht mehr los...

Dabei sind die Stücke des Songwriters relativ konventionell gehalten: in mittlerer bis zurückgedrehter Geschwindigkeit gebettete Rhythmen, die Wurzeln in Blues und Songwriter-Rock getränkt, bisweilen sanfte Psychedelik atmende Gitarrenklänge ("Frequencies"), erklingt über alles hinweg die charismatische Stimme des Kanadiers. Mit zurückhaltender Eindringlichkeit erzählt er seine Geschichten: von Einwanderen und Abschieden, vom Verschmelzen mit der Menge und der Verlorenheit darin, vom bitteren Geschmack der Wahrheit. Ausufernde Solo-Parts des Sechssaiters sind an keiner Stelle vonnöten, hier zieht er sich gerne und mit Vorteil von sonst gängigen Gepflogenheiten zurück.

Obwohl mit einigen Gästen aufgenommen - bei zwei Stücken spielte Mr. Macpherson auch im Alleingang Gitarre, Akkordeon, Schlagzeug und Keyboards ein - ist die Instrumentierung durchweg wohl dosiert, nie überladen, nie überzogen oder mit irgend etwas überstrapaziert, womit an der grundehrlichen Stimmung der Songs gerüttelt oder auch nur gekratzt werden könnte. Nicht zuletzt ist es die spezielle Art und Weise des Gesangs, die einen immer mehr in fast magischen Bann zu ziehen weiß - absolute Spitzenklasse!! Meine Damen und Herren: ein schier unglaublicher akustischer Genuss ist das!!

So fräsen sich die Stücke immer weiter über Ohr und Hirn ins Herz - und werden wohl nur schwerlich da wieder rauszukriegen sein. Doch wozu auch? Ein Klasse-Album eines unprätentiösen Vielkönners darf ja wohl gerne für die Ewigkeit gemacht sein, oder etwa nicht?! Ganz dicker Tipp!!

Highlights: Ukrainians / Frequencies / River Lake

Ach ja, auf der HP des smpathischen Musikers kann man selbstverständlich was anhören: http://www.gregmacpherson.com/ 

zur Live-Review

31.03.11

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