Mattis Kleppen   Svartufsen

(VÖ 24. Juni 2022 Crispin Glover / Stickman)

 

Schon mal irgend jemand auf die Idee gekommen, sich ein Album – oder auch nur einen einzelnen Song – anzuhören, wenn da als einziges Instrument ein Bass zu hören ist? Und auch kein Gesang oder irgendwas anderes dazu? Tja, insofern fristet der Bass, je nach Bauart auch Bassgitarre genannt, ein ziemliches Nischendasein. Nun las ich vor einigen Jahren von einem Album, betitelt mit ‚Bassgitar‘, das ein gewisser Mattis Kleppen aus dem südlichen Norwegen aufgenommen hat. Ich bestellte mir neugierig eine der 300 Vinylversionen und sollte nicht enttäuscht werden…

Nun flog mir völlig unerwartet eine vorab-CD des kommenden Albums Kleppens namens Svartufsen ins Haus. Zudem bekam ich geflüstert, dass der Herr einen Doktortitel in Artist Research, also Künstlerische Forschung hat. Interessant? Aber sicher doch – sogar hochinteressant!!

Zu hören sind auf Svartufsen elf Stücke. Zwei davon sind schlicht Impros, drei Eigenkompositionen sind zu hören, sowie Interpretationen von Stücken anderer Künstler (z. B. „What I Say“ von Miles Davis) oder neu vertonte Traditionals; letztere ebenfalls Interpretationen der Versionen anderer Künstler. So ziehen sich verschiedenste Stimmungen durch das Album, die immer wieder mit hübschen kleinen Melodien gespickt sind. So unaufgeregt das in der verbalen Beschreibung klingen mag, klingt auch das Album. Dabei strahlt es einen ungebrochenen Sog an Faszination aus, der nicht zuletzt auf der alten Weisheit Mozarts beruht, dass es eben oft die Stille zwischen den Klängen ist, die die Musik ausmacht.

So bleiben immer wieder Töne kurz im Raum stehen oder klingen geruhsam aus und bringen zusammen mit unterschiedlichen Tempi und Atmosphären eine schöne Dynamik in den Verlauf des Albums. Perkussive Nutzung des Instruments (oder des Fußbodens?) lassen durchaus auch bei dieser minimalistischen Instrumentierung hier und da ein rhythmisches Kopfnicken beim Hören bemerken. Zudem für Abwechslung ist dadurch gesorgt, dass Dr. artis Mattis Kleppen sowohl einen akustischen als auch einen elektrischen Bass bespielt – letzterer gerne auch mal angezerrt.

Wesentlich ausgereifter und vielfältiger als der Vorgänger erscheint mir das Solo-Zweitwerk dieses außergewöhnlichen Künstlers, der nun bereits seit drei Jahrzehnten aktiv ist und nebst fünf eigenen Alben an mehr als zwei Dutzend anderen Alben mitgewirkt hat. Es ist auf Svartufsen also ein im besten Sinne umtriebiger Profi zu hören, so dass ich das Werk Interessierten – und nicht nur Bassspielenden – nur allerwärmstens ans Herz legen kann!!

Ein sehr geeignetes Hörbeispiel, wie ein Basssolosong klingt, findet sich da - viel Spaß!!

6.06.22

P.S. Nerd-Info:
In der Mitwirkendenliste des vorigen Albums und beim Dank zu Svartufsen ist jeweils ein gewisser Kenneth Kapstad erwähnt. Manch geübten Leser*innen dieser Seite dürfte der Name ein Begriff im Zusammenhang mit so einer anderen norwegischen Bänd sein…
 

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