Sophie Hunger    17.06.22 Freiburg, Jazzhaus

 

Ein weiterer warmer Sommerabend, an dem es mich in einen Keller hinabzog. Dort gastierte eine Künstlerin, deren Name mir zwar seit vielen Jahren geläufig ist, mit deren Werk ich aber alles andere als vertraut bin. Ihr zweites Album, nach ihrem Geburtsjahr ‚1983’ benannt, hatte ich vor vielen Jahren gebrannt bekommen, zwei, drei Mal gehört, dann muss das Ding irgendwie verschollen sein. Umso interessanter fand ich jedoch das Konzert…

Zunächst stand ein junger Mann auf der Bühne, der sich als Hesselmann vorstellte. Normalerweise spiele er in einer Bänd, heute jedoch freue er sich, solo den Abend für Sophie Hunger eröffnen zu dürfen. Eine halbe Stunde konnte der Freiburger die Anwesenden im nicht ausverkauften, doch ziemlich gut gefüllten Jazzhaus mit eher ruhigen, introvertierten Stücken im fast klassischen Singer-Songwriter-Stil bespielen. Er machte seine Sache nicht schlecht, kann durchaus singen und hat ein Händchen für die Gitarre und fürs Songwriting – nur manchmal glitt er mir bei Ansagen und Themen seiner durchweg in deutsch gehaltenen Stücke zu sehr ins Kundtun und Erklären von Befindlichkeiten. Änyway, ein hübscher Einstieg in den Konzertabend.

Um kurz vor neun betraten Sophie Hunger und ihre beiden Mitstreiter an Schlagzeug bzw. Flügelhorn und zwei Keyboards die Bühne. Der Schwangeren – später informierte sie noch, dass sie im achten Monat sei – stand die Freude im wahrsten Sinne der Worte ins Gesicht geschrieben. Ohne, dass sie nur einen Mucks gemacht oder einen einzigen Ton gezupft hätte, erhielt sie ob schierer Präsenz bereits riesigen Applaus. Der Drummer spielte schon einige groovy Takte, die Keyboards gesellten sich hinzu und Frau Hunger zupfte, nachdem sie ihren Einsatz fast schon mit einer Kunstpause begann, die akustische Gitarre und setzte mit dem Singen ein. Das geschickte Einweben von Pausen wiederholte sie im Laufe des Auftritts gelegentlich, reizte sie einmal sogar wesentlich zu weit für das begeisterte Publikum aus – die während eines Songs in völliger Dunkelheit eingeflochtene, mehrere Takte in Anspruch nehmende Pause wurde nach wenigen Sekunden zerklatscht…

Sophie Hunger hat außerdem, das fiel sehr bald auf, eine sehr eigene, recht reduzierte Art, die Gitarre zu spielen; egal, ob die elektrische oder die akustische, zwischen denen sie während des – inklusive Zugaben – achtzigminütigen Konzerts stets wechselte. Oft zupfte sie ausschließlich, um dann phasenweise nur noch einzelne Töne in den Gesamtsound einzureihen. Allerdings war die Gitarre für mein Gehör manchmal ein wenig arg in den Hintergrund gemischt. Umso präsenter war durchweg ihr Gesang, den sie sehr gekonnt und filigran einzusetzen weiß. Sehr schön, das!! Auch textlich sehr poetisch und ansprechend; das Performte stimmte großartig mit Performänce und Interpretation überein. Echte Highlights fand ich dementsprechend die beiden im Kern des Sets platzierten, von der Künstlerin alleine an der Akustischen vorgetragenen Stücke – einmal mit Pfeifsolo am Ende und einmal mit kurzem Einsatz einer Harp.

Zugegeben, ich konnte nicht mit allen Stücken so richtig warm werden. Dennoch hatte Hungers Set manch Highlight parat. Eins der eindrucksvollsten war ziemlich am Beginn zu hören und erinnerte mich stark an New-Wave-Queen Anne Clark, während „Le Vent“, nach dem Solo-Teil, ein wenig vom Feeling düster-melancholischer Chansons im Eighties-Wave-Style transportierte. „Le Vent“, das auch eine Coverversion sein könnte, ging wiederum mit einem intensiven, fast sakral anmutenden Übergang der nach Orgel klingenden Keyboards in das folgende „Maria Magdalena“ über bzw. leitete dies übergangslos ein. Wenn ich es recht erinnere, kam hier denn auch das Flügelhorn zum Einsatz, vom Publikum mit unmittelbarem Szenenapplaus gewürdigt. Auch „Halluzinationen“, Album- und Tourtitelstück, stach für mich heraus. Mit dem abschließenden „Daft Punk“ – ebenfalls ein Cover? – beendete das Trio das Set fulminant.

Stilistisch ist die Musik der in Berlin lebenden Schweizerin kaum einzuordnen, da strömen Rock, Jäzz, Singer-Songwriter und unaufgeregter Indie-Pop in einen See und verbinden sich zu sehr kunstvoll gestalteter Musik. Dabei verzichtet Hunger fast gänzlich auf Eingängigkeit, für mich war in angenehmster Weise kein einziger Ohrwurmsong dabei!!

So war ein sehr abwechslungsreiches, sehr schönes Konzert einer tatsächlich bereits aufgrund ihrer bloßen Anwesenheit auf der Bühne sehr beeindruckenden Künstlerin zu erleben, ehe ich in lauer Abendluft zufrieden nach Hause radelte...

 

Und hier noch die Abschrift der Setliste, die ich mühsam von der Bühne gepfriemelt habe:

SOPHIE SOLO* / SUPERMOON / I OPENED A BAR / << HELLO FREIBURG << / THERE IS STILL PAIN LEFT (ORIGINAL) / LIQUID AIR / FINDE MICH / HALLUZINATIONEN / EVERYTHING IS GOOD / ALPHA VENOM / TAKE A TURN / (SOPHIE SOLO) / SPAGHETTI MIT SPINAT (SOPHIE SOLO) / LE VENT / MARIA MAGDALENA / SECURITY CHECK / STRANGER // << INTRO BAND << / SLIVER LANE / ICH LIEBE DICH // DAFT PUNK

*Anders als auf der Setliste vermerkt startete das Set mit „Supermoon“ und nicht mit Solo-Einstieg.

Wer sich ein wenig ins Werk einhören möchte – hier lang.

18.06.22

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