Steven Wilson          18.07.18 Freiburg, ZMF


Das Pech der Einen outet sich ja gerne mal als Glück der Anderen - so kam ich durch Verhinderung zweier Personen kurzfristig zu Karten für den ZMF-Auftakt. Wobei Glück in diesem Fall einen zwar schönen Abend unter Musik-Interessierten meint, welcher jedoch im Zeichen eines recht merkwürdigen Auftritts des Prog-Rockers Steven Wilson stand - aber dafür können ja die Verhinderten nix...

Pünktlich um 20 Uhr verdunkelte sich das Zirkuszelt, vielleicht etwas mehr als zur Hälfte gefüllt, und eine mit wechselnden Schlagworten unterlegte Diashow leitete den Abend ein, projiziert auf eine transparente Leinwand am vorderen Bühnenrand sowie die Videoleinwand hinter der Bühne, angekündigt mit der Bitte um ein paar Minuten Aufmerksamkeit von einer Stimme aus dem Off. Gegen Ende des Intros formierten sich die Musiker und begannen ihr Set. Dabei erschien gleich beim ersten Song in Großaufnahme eine Gastsängerin auf besagten Leinwänden, während ihr nicht unerheblicher Gesangspart mittels Band eingespielt wurde. Nicht grade das, was ich an Live-Konzerten schätze...


So merkwürdig und irritierend, wie dieses Konzert begonnen hatte, gestalteten sich denn auch die gesamten zwei Stunden inklusive viertelstündiger Zugaben. Da mich die Musik, trotz gelegentlich ganz gut rockender Passagen, zu keinem Zeitpunkt wirklich mitnehmen konnte, spielten die Projektionen ihre ganz eigene Rolle. Diese nämlich nahm ich zeitweise als interessanter denn die Musik wahr, die häufig wie Beiwerk, etwa für einen Graphic-Novel-Clip im Hintergrund, präsentiert schien. Was erneut nicht wirklich für die Musik spricht. Die meisten Stücke klangen für mich wie in irgendeiner Form schon mal gehört, belanglos, plätschernd. Keine proggigen Verschachtelungen der Stücke, wenig Dynamik in den Songs, außerdem kaum musikalische Interaktionen der Herren auf der Bühne. Wirklich gefallen konnte mir, von einzelen Passagen abgesehen, lediglich das letzte Stück des Abends, "Song of Unborn", vom 2017er Solo-Album 'To the Bone'.

Bis dahin war es eine doch recht durchwachsene Reise aus ungläubiger Verwunderung, einsetzender Langeweile, bis hin zu zeitweiser Belustigung über manche Ansagen Wilson's, als er etwa den Anwesenden unter 25 erklärte, was eine elektrische Gitarre ist. Oder eben die Eindrücke durch die immer wieder eingeflochtenen Projektionen, Clips, Bilder, hin und wieder vor, stetig hinter der Bühne; sei es eine vervielfachte Tänzerin gewesen, eine vom Band zur hörende Gast-Sängerin oder einfach nur irgendwelche Bilder, Farb- und Formenspiele. Hier changierte meine Rezeption zwischen unterhaltsam, interessant und inspirierend bis albern oder nervig.


Nun gut, obwohl weder mein mit dem Werk von Steven Wilson wie auch Porcupine Tree recht vertrauter Begleiter und ich alles andere als begeistert waren, hatten wir dennoch einen angenehmen Abend verleben können - und die Darbietung des Künstlers und seiner Formation wird mir sicherlich in mindestens halb schmunzelnder Erinnerung bleiben...

21.07.18

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