
die die die enten suchen 24.10.26 Freiburg, Slow Club
Ein sehr schönes Wiederhören gabs gestern Abend im Slow Club. Im Rahmen einer der Öffentlichkeit zugänglichen Gebutstagsfeier spielten dort zunächst solo der Moritatenspieler George Kaiser, im Anschluss die Freiburg-Kaiserstühler Kultbänd DIE DIE DIE ENTEN SUCHEN. Letztere hatte ich zwar vergangenes Jahr am selben Ort gesehen und gehört, damals aber nur punktuell und ausschnittsweise. Umso war größer meine Freude auf den Abend mit dem Wiedersehen wie -hören einiger guter alter Bekannten…
Zunächst stand also eine Hälfte des Freiburger Straßen-Duos Bächle Boys in Person von George Kaiser auf der Bühne. Alleine mit Gitarre startete er nach Ansage und Öffnung des roten Vorhangs mit einem seiner Moritatensongs – und hatte sofort bei mir gewonnen. Sehr geiles Gitarrenspiel zu toller Interpretation eines tendenziell düsteren Stücks; mitsamt passend eindrücklicher Mimik zur Untermalung. Danach hatte er leider gleich bei mehreren Stücken in Folge diverse Probleme, hörte sich auf der Bühne selbst schlecht, bat den Mischer mehrfach um Nachjustierung von Lautstärken und schien sich in der Folge erstmal nachhaltig verhaspelt zu haben. Er startete Songs mehrfach und brach wieder ab, was leider den Fluss der Darbietung stark hemmte. Erst im Lauf der zweiten Hälfte seines Gigs, in welcher sich u. a. ein Song der Beatles und der längst verblichenen NDW-Bänd UKW fanden – interpretiert jeweils in Spielart des Bänkelsanges – fand Kaiser seinen Flow. Und das, was geklappt hat, war richtig gut. Gerade das sehr gelungene Auflebenlassen einer hunderte an Jahren alten Erzählform gefiel mir ausgezeichnet!! Und eine schöne Einstimmung auf das darauf folgende Sextett.
die die die enten suchen hatte ich zuletzt vor anderthalb Jahren auf selber Bühne gesehen, allerdings nur so ausschnittsweise punktuell. Davor sehr lange Zeit gar nicht. Entsprechend bestand etwa die Hälfte des gesamten Sets aus Stücken, die ich nicht kannte, die mir aber nicht minder gut als die alten Sachen gefielen. Sänger Paddl spielte wie eh und je fast permanent mit dem Mikro und dessen Halterung oder performte gestikulierend, pantomimisch; oder er stellte einfach mal auf Freeze-Modus und stand lange reglos und erstarrter Gesichtszüge einfach nur da, während die Bänd für den entsprechenden Sound sorgte. Das war ziemlich cool und weit weg davon, irgendwie gefallen zu wollen oder zu müssen. Gepaart mit der rau gealterten Stimme passte das großartig zu den Songs, die häufig von den weniger schönen Seiten des Lebens erzählen.
Nach geschätzt einer guten halben Stunde nahm sich der Frontmann eine Pause, indes übernahmen Geiger und Basser die Stimmen bei zwei Stücken, ehe der Sänger sich wieder auf der Bühne einfand und die Kaiserstühler in der zweiten Hälfte fast ausschließlich Klassiker aus ihrem Repertoire darboten. Dabei wurde auch nicht auf die von der Bänd stets wohl gepflegten Eitelkeiten verzichtet – etwa das Beharren des Sängers darauf, dass der Vorhang nochmal zugezogen werden muss, um selbigen nach Zugaberufen wieder zu öffnen. Das ist schlicht und einfach ebenso amüsant wie herzerwärmend…
So hat es großen Spaß gemacht, den sympathisch chaotischen Sechser mit eigenwilligem Auftreten sowie entsprechenden Song-Interpretationen, musikalisch noch immer der Zusammenführung aller möglichen Stile von Punkrock bis Chanson treu ergeben, nach langer Zeit endlich wieder ausführlich goutieren zu können. Und neuerlich gilt ganz großer Dank allen aktiven Slow-Clubber*innen, dass solche Abende immer noch möglich sind – sehr geil!!
25.10.26
Von den Enten hab ich ein Video DA gefunden und von den Bächle Boys HIER