
JIM AVIGNON aka NEOANGIN & TARANJA WU 11.09.26 Freiburg, Slow Club
Mit großen Portionen Neugier begaben wir uns am Freitag in den Slow Club zu zwei One-Män- bzw. Womän-Performänces. Während ich von TARANJA WU noch nie gehört hatte, ist mir JIM AVIGNON als Maler schon lange bekannt, wenn auch nur flüchtig. In jedem Fall steht der Name bei mir für Bilder in sehr charakteristischem Stil, der im Allgemeinen der Pop-Art und dem Techno-Umfeld zugerechnet wird. Von NEOANGIN hatte ich wiederum soviel Ahnung, wie von der Dame im Vorprogramm.
Der Bühnenhintergrund war, ganz im Zeichen der Vernissage, die bereits zwei Stunden vor Beginn des Konzerts zu besichtigen war, mit einer Leinwand voll Bildern des Künstlers ausstaffiert und kaum, dass wir den Club betreten und ein Getränk in der Hand hielten, verdunkelte sich der Raum und der typische Gong erschallte…
Mit einer ebenso eigenwilligen wie unterhaltsamem Performänce eröffnete TARANJA WU so ungefähr genau um Punkt zehn den musikalischen Teil des Abends. Alleine mit E-Gitarre stand sie da, neben sich den Tisch mit den Synthies für Beats und jeder Menge synthetischer Klänge. Die Schweizerin, die, wie auf ihrer Website zu lesen ist, vor geraumer Zeit als Duohälfte mit dem unvergessenen Olifr M. Guz (Rest in Peace!!) musiziert hat, trug ihre Texte eher wie Ansagen oder Parolen vor, untermalt mit punky rockenden Riffs auf der E-Gitarre, die manchmmal klangen, als wäre das gar keine Gitarre, sondern irgendwas undefinierbares aus der Technodose. Oder der Klang der Saiten ertönte verzerrt und stark komprimiert, als käme er aus weit entfernten, düsteren Tiefen.
Zwischen den Songs erklärte TARANJA immer wieder die Geschichten, die sie mit und in ihren Songs erzählt; Geschichten rund ums Leben, die die Eigenarten der Menschen immer wieder augenzwinkernd auf den Punkt bringen – oder auch nicht. Musikalisch lag dieser technoide Pop-Rock weit außerhalb meiner Hörgewohnheiten, entsprechend fand ich es sehr bereichernd, mich von WU’s Kosmos aus Ironie und Tragik, verziert mit Saiten und Elektronik, außerdem häufig wiederholten Aufforderungen zum Tanzen, mit auf die Reise nehmen zu lassen. Nach etwas über fünfzig sehr kurzweiligen Minuten war Schluss. Es war nochmal Zeit, die Vernissage zu begutachten und an die frische Luft zu gehen, ehe kurz nach elf der Hauptäct des Abends auf die Bühne kam.
JIM AVIGNON aka NEOANGIN begann damit, dass er, statt einer Ansage, erstmal kundtat, er habe sich eben an einer der Boxen auf der Bühne ziemlich den Kopf angehauen. Er erzählte dies in völlig beiläufiger Selbstverständlichkeit und ziemlich amüsant-unterhaltsam, richtete die Krawatte noch so nebenbei und hatte somit von der ersten Sekunde an die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden. ‚Aha‘, dachte ich, ‚da stellt wohl einer sein Leben als Gesamtkunstwerk aus…‘
Nach diesem Einstieg ließ er die Anwesenden im gut gefüllten Club in den folgenden hundert Minuten lebhaft an seinen Geschichten teilhaben, die er in trocken ironischer, manchmal fast sarkastischer Form, sehr leichtfüßig wirkend, darbot. Spielte die Musik, tanzte er viel und gerne zu seinen elektronischen Beats, trug im Wechsel zum obligatorischen Hut immer wieder auf Pappe gemalte Bilder wie Masken auf dem Kopf, hatte nebst eines Alleinunterhalter-Keyboards ein selbstgebasteltes, aufklebbares Keyboard dabei und wirbelte und baldowerte sich ruhelos, dabei völlig entspannt wirkend, durch sein Set.
Gelegentlich kam Jim auch mal ins Publikum, mit dem er ohnehin gerne und sehr oft Kontakt aufnahm; so verloste er nebenher eines seiner Bücher und gab einem Besucher einen Gin Tonic aus. Musikalisch klang das Gehörte – gibt’s eigentlich ne Steigerung von ‚eigenwillig‘ ?? – wie eine, sagen wir mal: kantige Mischung aus Kirmes- und Art-Pop, mit viel Techno, der wie tanzbarer Singer/Songwriter-Style ohne Gitarre anmutete. Hä…?? Ja, eben!! Ziemlich außerhalb jeder Konvention halt…
Besonders begeistert war ich von einer Passage der Performänce gegen Ende des insgesamt nicht weniger als großartigen Auftritts von JIM AVIGNON aka NEOANGIN, als dieser an der selbstgebastelten Pappgitarre deren aufgemalte Saiten so treffsicher bediente, dass ich einen Moment lang dachte, das funktioniere ähnlich wie das aufgepappte Keyboard, das so irgendwie eine Art Touchpäd-Tasten oder so hatte. Unfassbar geil!!
Alles in allem und unterm ____ war das ein richtig außergewöhnlicher wie verdammt unterhaltsamer Abend!! Da werden wir uns vermutlich noch lange begeistert und schwärmend erinnern und davon erzählen…
14.09.26
Zur Künstlerseite von JIM AVIGNON und NEOANGIN guck HIER, auschließlich die Musik gibt’s DORT. Und zum Netzheim von TARANJA WU geht’s DA.