
MY SLEEPING KARMA & COLOUR HAZE 17.04.26 Karlsruhe, Substage
Am ausgesprochen warmen Aprilfreitagabend begab ich mich ins Karlsruher Substage, wo die Karma Haze Tour von und mit zwei Bänds aus dem psychedelisch-instrumentalen Rockbereich anberaumt war...
Ich nehm mal den negativsten Punkt vorweg: Nicht so fair fand ich, grade bei einem als Doppel-Headliner-Tour angekündigten Konzert, dass nicht beide Bänds in vollen Genuss der Soundbandbreite des Mischpults kommen durften. COLOUR HAZE hatten zwar einen durchaus guten Sound, bekamen seitens des Mischers aber leider nur im Ansatz die Wucht zugeteilt, über die anschließend MY SLEEPING KARMA verfügen konnten. Das war ein bissl schade, denn ich fand die Bänds gleichermaßen engagiert und sehr spielfreudig zu erleben und beide klanglich höchst interessant. Aber der Reihe nach:
Bei COLOUR HAZE überwog das Überraschende in den Kompositionen, mit Wechseln in Tempi wie Motiven, auch manchen Brüchen, was alles mit wohldosierten und abgewogenen Wendungen respektive Wiederkehr für eine spannende Dynamik im etwa siebzigminütigen Set sorgte. Die Bänd wirkte von Beginn an sehr konzentriert, um sich dann immer mehr in kleine Räusche zu spielen und eine tolle Steigerung der Intensität mit Lauf des Sets schafften.
Überrascht war ich davon, dass der Gitarrist hin und wieder Gesangspassagen übernahm, hatte ich doch eine Instrumentalbänd erwartet. Allerdings waren die stimmlichen Anteile des Sounds viel eher in den Gesamtklang des Quartetts eingebettet, deren Songs gerne auch mal die Zehnminutenmarke knackten.
Insofern war der gelegentliche Gesang schlicht eine gekonnte Auflockerung des Schaffens der Bänd, die bereits seit Mitte der Neunziger unterwegs ist. Sehr geil fand ich das Zusammenspiel von Keyboards und Synthies mit der Gitarre, nicht zuletzt, weil die Tasten nicht eben selten nach Saiten klangen. Es machte mir zunehmend Spaß, den Auftritt der Münchener zu verfolgen, die sich mehr und mehr selbst in ihrem Sound verfingen, ehe sie nach siebzig Minuten endeten und die Bühne für die dann doch irgendwie als Hauptbänd fungierenden MY SLEEPING KARMA frei machten.
Diese schworen sich, zum eingespielten Sound von Aphrodite’s Child’s großartigen „The Four Horsemen“, auf der Bühne kurz ein, ehe sie sich formierten und langsam ihr Set starteten. MY SLEEPING KARMA setzten nun sehr stark auf das Erzeugen von dichter Atmosphäre anhand vieler repetitiv gehaltener Passagen mit deutlich weniger Wechselspielchen innerhalb der Songstrukturen. Sie ließen den Songs durchweg viel Zeit, sich zu entwickeln und entfalten, schufen dadurch viele Wechsel in der Intensität des Klangs und auch ganz viele Augen-zu-Momente, sich einfach nur im Sound treiben zu lassen. Auch hier konnte sich im Lauf der fünfundachtzig Minuten – zuzüglich einer Zugabe – mehr und mehr den oft hypnotischen Klängen hingegeben werden – sehr geil!! Immer mal wieder richtete der Basser ein paar Worte ans Publikum, sich bedankend und die Freude auch verbal auszudrücken, die allen Vieren ohnehin deutlich anzusehen war.
So fand ich beide Bänds des Abends, von denen ich nichts via Albumveröffentlichungen kenne – lediglich Letztere sah ich bereits zwei Mal teilweise live, aber eben nie in Gänze –, ziemlich geil, eine gute Kombination zudem; guter Sound mal wieder im gut gefüllten Substage in insgesamt entspannter Stimmung, ehe wir nach insgesamt gut zweieinhalb Stunden Sound in angenehmer Plätte den Ort des Geschehens verließen und die Klänge im Kopf nachhallen konnten...
19.04.26